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wie Dauer in Armut
 
Je länger Kinder in Armut leben, desto verheerender sind die Folge für ihren Gesundheitszustand, ihr Selbstvertrauen und ihre Zukunftschancen. Die Verweildauer in Armut und das Wiedereintrittsrisiko sind daher wesentliche Faktoren für die Verschärfung der Armutssituation.
 
Nach Berechnungen im aktuellen UNICEF-Bericht (2008) zur Lage der Kinder in Deutschland lebten zwischen 35 und 40 Prozent der Kinder in Einelternfamilien zwischen 1991 und 2004 in Armut. Selbst wenn der Elternteil Vollzeit beschäftigt ist, leben mehr als zwei Drittel der Kinder von Alleinerziehenden mindestens ein Jahr in Armut. Zehn Prozent sind dauerhaft arm. Kinder in Einelternfamilien leben unter ungünstigen Voraussetzungen mehr als doppelt so lange in Armut wie Kinder in vergleichbaren Paarfamilien. In einem Verweildauermodell haben die Autoren Michael Fertig und Marcus Tamm (2008) berechnet, dass ein Kind unter ungünstigen Bedingungen durchschnittlich sechs Jahre in Armut lebt. Bei gleichen Voraussetzungen lebt ein Kind in einem Alleinerziehendenhaushalt durchschnittlich 14 Jahre in Armut. 14 Jahre sind ein Kinderleben.
 
Das ökonomische Risiko wird in Einelternfamilien von einer/einem Erwachsenen getragen. Diese Situation wirkt sich direkt auf die Kinder aus. Das ungleich höhere Armutsrisiko in Einelternfamilien muss durch wirksame sozialpolitische Maßnahmen bekämpft werden. Offensichtlich reicht die Beteiligung Unterhaltspflichtiger nicht aus, um Kinder in Alleinerziehenden-Haushalten vor Armut zu schützen. Die Vollzeitbeschäftigung der Eltern trägt wesentlich zur Armutsvermeidung bei.
 
Daher ist die Eröffnung von Arbeitsmarktchancen für Alleinerziehende wesentlicher Bestandteil der Bekämpfung von Kinderarmut. Jedoch muss auch die monetäre Versorgung von Kinder im Fokus stehen: Der Unterhaltsvorschuss endet spätestens im Alter von zwölf Jahren. Da bleiben noch sechs Jahre bis zur Volljährigkeit. Der Kinderzuschlag geht an den Alleinerziehenden vorbei, denn sie erreichen vielfach nicht die Einkommensuntergrenzen. Es gibt derzeit keine Instrumente, die Kinder von Alleinerziehenden eine dauerhafte Existenzsicherung bieten, die unabhängig von Unterhaltszahlungen wirksam ist. Wer hiervor die Augen verschließt, nimmt in Kauf, dass eine weitere Generation von Kindern bis zu 14 Jahre in Armut lebt. Es ist Zeit zu handeln. Politik gegen Kinderarmut muss Politik für Alleinerziehende sein.
 
Das ABC der Kinderarmut benennt die Folgen und Ursachen von Armut bei Kindern und fordert konsequent eine politische Lösung dieses drängenden Problems.
 
Berlin, 25.06.2008
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