Z
wie Zuwanderung
Deutschland ist eine interkulturelle Gesellschaft: Fast ein Fünftel der Bevölkerung hat einen so genannten
Migrationshintergrund. Jedes dritte Kind, das hier geboren wird, hat Eltern unterschiedlicher Nationalitäten.
Zuwanderung hat
in Deutschland eine lange Geschichte. Ebenso lang und weitgehend mühsam wird die Frage diskutiert, ob Menschen aus anderen Ländern,
die sich für Deutschland als ihren Lebensmittelpunkt entschieden haben, Teil unsrer Gesellschaft sind oder als Fremde betrachtet werden.
Rechtliche Einschränkungen und soziale Diskriminierung sowie die alle individuellen Unterschiede außer Acht lassende Kategorie „Migrationshintergrund“
prägen bis heute die Lebenswelt von Bürger/innen mit Einwanderungsgeschichte und lassen sie als eine am Rande unserer Gesellschaft
lebende homogene Gruppe erscheinen.
Die Leittragenden sind vor allem die Kinder und Jugendlichen. Sie sind in Deutschland geboren
und wachsen hier auf, oft trifft das bereits auf ihre Eltern zu. Dass in ihren Familien häufig eine andere Sprache gesprochen wird
und das Familienleitbild sich von dem ihrer deutschen Freunde unterscheidet, ist nicht ihr Problem. Ihr Problem ist, dass ihre Eltern
oft arbeitslos sind, sie in engen und schlechten Wohnungen leben und sie täglich erfahren, dass ihnen als „Kinder aus Migrantenfamilien“
kollektiv Defizite zugeschrieben werden, die ihre individuellen Ressourcen verschütten.
Die Folge: Kinder aus Einwandererfamilien
bekommen seltener eine Gymnasialempfehlung, verlassen die Hauptschule häufiger ohne Abschluss und finden überproportional keinen Ausbildungsplatz.
Die
soziale Herkunft ist ausschlaggebend für Bildungserfolge und Aufstiegschancen. Dies gilt für die alteingesessenen wie für die eingewanderten
Familien gleichermaßen. Die Tatsache, dass einstmals eingewanderte Familien auch heute noch überproportional unterprivilegiert sind,
hat mit der sozialen Herkunft der „Gastarbeiter“generation zu tun und der damaligen politischen Entscheidung, daran auch nichts zu
ändern.
Die Folge: Die Armutsrisikoquote ist bei Personen mit Einwanderungsgeschichte doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung.
Unter Kindern aus Zuwandererfamilien verdreifachte sich in den neunziger Jahren die Armutsrate von fünf auf fünfzehn Prozent.
Kinder
aus eingewanderten Familien sind nicht arm, weil sich türkische, arabische oder bosnische Wurzeln haben. Kinder aus eingewanderten
Familien sind überdurchschnittlich arm, weil ihre Eltern arm sind. Und sie haben es schwerer, aus diesem Armutskreislauf auszusteigen,
weil sie im deutschen Bildungssystem benachteiligt werden.
Verband alleinerziehender Mütter und Väter
Bundesverband e.V. (VAMV)
Hasenheide
70
10967 Berlin